Start Aktuelles Neue soziale Versorgungsstelle in Hannover für Drogensüchtige und Obdachlose

Neue soziale Versorgungsstelle in Hannover für Drogensüchtige und Obdachlose

Die soziale Versorgungsstelle in Hannover an der Herschelstraße soll Ende 2027 Hilfe, Wohnen und Behandlung nahe dem Hauptbahnhof bündeln
Neue soziale Versorgungsstelle in der Herschelstraße. Foto: Symbolbild Pixabay

Hannover – Die soziale Versorgungsstelle in Hannover an der Herschelstraße soll Ende 2027 Hilfe, Wohnen und Behandlung nahe dem Hauptbahnhof bündeln.

Neue Anlaufstelle nahe dem Hauptbahnhof geplant

In der Herschelstraße 28 plant die Landeshauptstadt Hannover eine neue soziale Versorgungsstelle für drogensüchtige und obdachlose Menschen in der Innenstadt. Das sechsstöckige Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof ist langfristig angemietet. Der Umbau hat bereits begonnen. Wenn die politischen Gremien zustimmen, soll das Angebot Ende 2027 starten.

Geplant ist eine zweite Anlaufstelle neben dem Mecki 2.0 in der Augustenstraße. In dem Haus sollen eine größere Diamorphinambulanz, Übernachtungsmöglichkeiten für Patienten, 46 Mikroappartements für obdachlose Männer und Straßensozialarbeit unter einem Dach zusammenkommen.

Mehr Platz für Behandlung und Betreuung

Die Diamorphinambulanz ist seit 2009 in der Odeonstraße untergebracht. Dort reichen die Räume nach Angaben der Stadt inzwischen nicht mehr aus. Vor allem die fehlende Barrierefreiheit, die begrenzten Flächen und die eingeschränkten Aufenthaltsmöglichkeiten erschweren die Arbeit. Am neuen Standort in der Herschelstraße sollen statt bisher 90 künftig bis zu 150 schwer suchtkranke Menschen versorgt werden.

Oberbürgermeister Belit Onay sagte: „Mit diesem innovativen Projekt begegnen wir einer der zentralen Herausforderungen in unserer Innenstadt bei der Versorgung obdachloser Menschen. Mit dem neuen Standort wollen wir im Rahmen unserer städtischen Unterbringungsstrategie eine moderne, barrierefreie und integrierte Einrichtung schaffen, die zusammen mit dem Mecki 2.0 in der Augustenstraße eine wichtige Basis für die soziale Versorgung von drogensüchtigen und obdachlosen Menschen in der Innenstadt sein wird. Wir können obdachlosen Menschen eine kleine Wohnung anbieten, mit sozialer Unterstützung im selben Haus – und das in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof.“

Auch Sozialdezernentin Sylvia Bruns betont das Konzept des Hauses. „Das Besondere des Projektes ist die enge räumliche und konzeptionelle Verbindung unterschiedlicher Hilfesysteme innerhalb eines gemeinsamen Gebäudes. Dadurch entsteht ein integriertes Versorgungsmodell, das medizinische Behandlung, Tagesstruktur, soziale Unterstützung und Wohnangebote unmittelbar miteinander verbindet. Durch die enge Verzahnung der unterschiedlichen Hilfesysteme können Krisen frühzeitig erkannt und Hilfen unmittelbar eingeleitet werden“, sagte sie.

Zehn Appartements und sechs Krisenbetten für Patienten

Für Patienten der Diamorphinambulanz sind im Gebäude zehn Mikroappartements vorgesehen. Nach Einschätzung der Stadt scheitert die Stabilisierung neuer Patienten ohne festen Schlafplatz häufig. Die direkte Verbindung von Behandlung und Übernachtungsmöglichkeit soll das ändern.

Hinzu kommen im sechsten Stock sechs sogenannte Krisenbetten in Form einer Wohngemeinschaft. Dort soll die Ambulanz Patienten vorübergehend unterbringen. Gemeinsam mit der Straßensozialarbeit kann dann geklärt werden, wie es für die Betroffenen beim Wohnen weitergeht und ob ein Wechsel in eine andere Einrichtung notwendig ist.

46 Mikroappartements für obdachlose Männer

Ein weiterer Teil des Projekts richtet sich an obdachlose Männer. In der Herschelstraße 28 entstehen 46 Mikroappartements mit eigener Küche und eigenem Bad. Jedes Appartement ist knapp 14 Quadratmeter groß. Vergeben werden die Wohnungen über die städtische Unterbringung.

Die Stadt will damit die Lage obdachloser Menschen im Innenstadtbereich verbessern. Besonders für Menschen, die nur eingeschränkt mobil sind, sollen Unterkünfte in Bahnhofsnähe geschaffen werden. Zusätzlich gibt es in den unteren Etagen Aufenthaltsbereiche, die auch außerhalb der eigenen Wohnung genutzt werden können.

Straßensozialarbeit im Haus und rund um den Bahnhof

Im Erdgeschoss ist ein größerer Raum für die Straßensozialarbeit aus dem Bereich Suchthilfe geplant. Dort sollen Kontakte zu Menschen geknüpft werden, die in der Ambulanz behandelt werden. Im Mittelpunkt stehen dann etwa Fragen zur aktuellen Lebenslage, zum Bedarf an Bett oder Wohnung und zu möglichen Sozialleistungen.

Die Sozialarbeit soll eng mit dem Medizinischen Versorgungszentrum, kurz MVZ, und den Ärzten zusammenarbeiten. So können Hilfen besser aufeinander abgestimmt werden. An Werktagen sind dafür Sprechzeiten von jeweils zwei Stunden vorgesehen. Sie sollen an die Zeiten angepasst werden, zu denen Diamorphin ausgegeben wird.

Darüber hinaus soll die Straßensozialarbeit an drei Nachmittagen pro Woche im Haus präsent sein. In einem Aufenthaltsbereich sind Gespräche, Spiele oder das Aufwärmen mitgebrachter Speisen möglich. Auch eine Cafeteria als Treffpunkt für die Nutzer des Hauses ist geplant.

Zusätzlich bleibt die Straßensozialarbeit im Umfeld des Hauptbahnhofs unterwegs. Sie soll weiter an den bekannten Treffpunkten präsent sein und prüfen, für welche suchtkranken Menschen das Angebot in der Herschelstraße in Frage kommt.

HCN/rw – Soziale Versorgungsstelle in Hannover